Freitag, 5. Dezember 2014

"Drachenzauber" von Patricia Briggs


„Hurog bedeutet Drachen“

„Drachenzauber“ von Patricia Brigg besteht eigentlich aus zwei Geschichten, die zwar aufeinander aufbauen, aber jeweils eine in sich abgeschlossene Episode erzählen. Die englischen Titel „Dragon Bones“ und „Dragon Blood“ treffen den Kern des Geschehens sehr gut.
Für mich passt allerdings auch der deutsche Titel "Drachenzauber" ganz ausgezeichnet. Das gesamte Buch hat mich völlig verzaubert, seit ich es zu allerersten Mal gelesen habe. Seine Magie hat mich in ihren Bann geschlagen und sie wirkt immer noch. Egal, wie oft ich auch die erste Seite aufschlage, ich kann nicht widerstehen und tauche erneut in die Welt der fünf Königreiche ein …

Erstes Buch:
Hurog ist eine uralte Burg hoch oben im wilden Norden des Landes. Als der Burgherr, der Hurogmeten, unerwartet stirbt, ist sein Sohn und Erbe Wardwick erst 19.
Doch das ist nicht das eigentliche Problem: Ward wurde schon als Kind von seinem Vater brutal misshandelt und irgendwann scheint ihm dieser in einer seiner Prügelattacken den Verstand aus dem Schädel geschlagen zu haben. Ward wirkt dümmlich, schwer von Begriff und stottert. Seine angeborene Magiebegabung ist ebenfalls verloren.
Aber kaum etwas ist so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Ward hat bisher alles getan, um vor der Welt und vor allem vor seinem Vater zu verbergen, dass er sich längst von den Schlägen erholt hat. Er weiß nur nicht, wem er vertrauen kann.
Der überraschendste Teil von Wards Erbe ist ein zerschlagender Platinring. Er wird von Hurogmeten zu Hurogmeten weitergegeben und birgt eine geheimnisvolle Macht in sich: Der Ring stellt die Verbindung zu dem jungen Oreg dar, der von sich behauptet, die Verkörperung der Burg zu sein und schon seit Jahrhunderten zu leben.
Leider überschlagen sich die Ereignisse, bevor Ward die Zeit hat, seine Umgebung daran zu gewöhnen, dass er nicht so dumm ist, wie alle glauben. Ein Dekret des Hochkönigs Jakoven könnte ihn in große Schwierigkeiten bringen. Also flieht Ward mit einer bunten Truppen aus seiner geliebten Burg und macht sich auf, um Ruhm auf dem Schlachtfeld zu erlangen und dort zu beweisen, dass er ein Held sein kann.
Dummerweise versinkt er dabei mit seiner Truppe fast im Schlamm und der Krieg, den alle erwarten, beschränkt sich auf ein paar blutige, aber im Grunde belanglose Scharmützel. Was der Feind wirklich will, ist eine echte Überraschung für Ward und seine Freunde. Gibt es wirklich nur einen einzigen Weg, die finsteren Absichten zu unterbinden?

Zweites Buch:
Einige Jahre nach den dramatischen Ereignissen, die mit dem Tod des alten Hurogmeten ihren Anfang nahmen, droht der Burg und ihren Bewohnern erneut Gefahr. Der Hochkönig scheint entschlossen zu sein, sein unheilvolles Dekret nun umzusetzen. Offiziell will er prüfen, ob Ward überhaupt geeignet ist, über Hurog zu herrschen. Allerdings hat Jakoven eigentlich etwas ganz anderes im Sinn und seine Absichten sind erheblich finsterer, als es sich Ward und seine Freunde vorstellen können.
Nur mit Hilfe alter Magie können sie verhindern, dass dem König durch eine infame politische Intrige das ganze nördliche Königreich in die Finger fällt.
Ward muss nun tun, was er niemals wollte: Er schließt sich der Rebellion an. Allerdings haben er und seine Mitstreiter unterschätzt, dass auch der König ein Magier ist und damit über Strategien verfügt, gegen die weder Mauern noch Armeen helfen können. Als Ward und seinen Freunden klar wird, was auf dem Spiel steht, ist es fast zu spät …

Der „Zauber“ in diesem Buch geht für mich von den ungewöhnlichen, liebevoll gezeichneten Charakteren aus. Ward ist ein toller Held, mit dem man sich gut identifizieren kann: Groß, gutaussehend, verantwortungsbewusst, klug und herzensgut. Dabei hat er aber auch genug Ecken und Kanten, um nicht unsympathisch zu werden: Abgesehen davon, dass Ward stottert und lange seine gesamte Umgebung zum Narren gehalten hat, plagt er sich mit tiefen Selbstzweifeln und dem ungeliebten Erbe seines Vaters, dass sich in Wutanfällen und Kampfeslust äußerst. Ward hasst es, wenn er merkt, dass er seinem Erzeuger ähnlich ist und sucht verzweifelt nach einem eigenen Weg, für seine Burg und seine Leute ein guter Herrscher zu sein.
„Hurog bedeutet Drache“. In diesem Satz steckt erheblich mehr Wahrheit, als es lange den Anschein hat. „Hurogmeten“ heißt Drachenhüter. Ward gibt wirklich alles, um die zu beschützen, die er liebt.

Die sicher interessanteste Gestalt in der Geschichte ist Oreg, über den man aber leider nicht allzuviel erzählen kann, ohne zu spoilern. Mir gefällt, dass er neben seinen vielen positiven Eigenschafften mit Genuss eine Nervensäge sein kann und hin und wieder seine Umgebung mit Absicht und Genuss zur Weißglut bringt.

Ob Garranon nun zu den Guten oder den Bösen zählt, ob Axiel wirklich der Sohn des Zwergenkönigs ist und warum Ward ausgerechnet von Tissala völlig fasziniert ist, dass sollte jeder unbedingt für sich selber herausfinden.
Fazit: „Drachenzauber“ ist und bleibt eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Wie oft ich es mittlerweile gelesen habe, weiß ich schon nicht mehr. Es entführt den Leser in eine phantastische Welt voller Schurken und Helden, voller böser Feinde und echter Freunde. Übrigens: Drachen, die kommen auch vor, allerdings ein wenig anders, als man es vielleicht am Anfang erwartet.

Keine der Figuren in „Drachenzauber“ ist eindimensional. Alle haben ihre Stärken und Schwächen. Von den Beziehungen und Freundschaften lebt die Geschichte weit über den Inhalt der eigentlichen Handlung hinaus. Dabei kommt neben der Spannung und den phantastischen Abenteuern der Humor nie zu kurz.

Leseempfehlung? Ja! Klar! Immer und immer wieder!!! Mit einer Skala bewerten kann ich dieses Buch nicht. Es wird und würde bei mir jederzeit die höchst mögliche Punktzahl erhalten.


Bildquelle: amazon

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