Dienstag, 31. Mai 2016

"Liebe gehört zum Handwerk" von der Kuschelgang

Zwölf Geschichten mit Hand und … Herz!

Ich bin froh, dass ich mich nicht entscheiden muss, welches meine Lieblingsgeschichte in diesem Buch ist. Stattdessen werde ich mit Sicherheit vergnügt noch mehr als einmal lesen, was die Herren Handwerker mit ihren mehr oder weniger geschickten Fingern alles so anstellen, sobald sie ihr Werkzeug beiseitelegen und sich ihren privaten Leidenschaften widmen …

Fazit: Mindestens 5 Punkte und eine Leseempfehlung. Handwerklich gut gelungen und künstlerisch einwandfrei.
Mit "Liebe gehört zum Handwerk" liegt das mittlerweile neunte Buch der Kuschelgang vor. Es ist in sich rund und richtig klasse! Die Anthologien scheinen mit jedem Band besser zu werden! Besonders gut hat mir hier übrigens gefallen, dass die Geschichten nicht nur ein gemeinsames Oberthema hatten, sondern – ob bewusst oder unbewusst – im Buch so angeordnet waren, dass sie auch wie bei einem fein gewürzten Gericht ganz unterschiedliche und doch zueinander passende Aspekte des Themas beleuchten. 

Wer noch genauere Details zu den einzelnen Storys lesen möchte, findet die unten. Es macht aber auch Spaß, sich ganz unbedarft auf die vielen unterschiedlichen Geschichten und Schreibstile einzulassen. Mir haben sich die Handwerker und ihre Liebsten auf jeden Fall ins Herz geschlichen!

1. „Zweite Chance“ von Kataro Nuel
Philip braucht einen Neuanfang und erhält mit viel Glück nicht nur berufliche eine Chance. Die Angst vor dem Ende ist allerdings allgegenwärtig.
Kataro Nuel lässt sich die Zeit, die ihre beiden Helden brauchen, um sich und ihren Platz zu finden. Die Geschichte ist wunderschön erzählt, mit der genau der richtigen Mischung aus bitter und süß. Man bangt mit Philip und freut sich umso mehr, als er sein verdientes HE bekommt. Gefallen haben mir außerdem die liebevoll gezeichneten Nebencharaktere. Die Story macht Lust darauf, ganz viel mehr von Kataro Nuel zu lesen!

2. „Maßnahmen“ von Ashan Delon
Simon ist ganz anders als das tapfere Schneiderlein im Märchen kein Maulheld, sondern eher schüchtern und zurückhaltend. Erst als er den extrovertierten Moritz trifft, der einfach nicht aufhört zu reden, bis er endlich hat, was er will, muss er langsam über sich selbst hinauswachsen.
Es ist einfach verboten niedlich und dabei richtig witzig zu lesen, wie die beiden unterschiedlichen Männer ihre Faszination füreinander entdecken und sich schließlich nicht mehr dagegen wehren können. Oder wollen.
Ich grinse übrigens immer noch ganz verzückt, weil mir die Story so richtig gut gefallen hat.

3. „Unversehrt“ von Jobst Marenhorst
Mit Emilio und Raffaele finden sich zwei einsame Einzelgänger, die so sehr daran gewöhnt sind, alleine zu sein, dass sie fast die Chance verpassen, die das Leben ihnen anbietet.
Jobst Marenhorst beschreibt die Geschichte der beiden Außenseiter mit sehr eigenwilligen und gerade deshalb sehr eindringlichen Bildern. Sie ist leise angelegt und findet ihren lauten Widerhall erst im Herzen des Lesers. Sie berührt und geht unter die Haut. Ich kann und will nicht verraten, wie sie endet, aber ich weiß, dass sie mir lange nicht aus dem Kopf gehen wird.

4. „Der verrückte UhrHutMacher“ von Caitlin Daray
Tja. Also … Irgendwie fehlt es Henrik an Fantasie. Das kann man allerdings so von Derek nicht sagen und plötzlich weiß der arme Henrik kaum noch wo ihm der Kopf steht. Wieso nur scheint der andere Mann mal heiß wie Feuer und mal kalt wie Eis zu sein???
Mit einem Augenzwinkern schickt Caitlin Daray ihren Helden und mit ihm zusammen den Leser auf eine völlig verrückte Odyssee der Gefühle.

5. „Herzenblicke“ von Cat T. Mad

Jacob spürt, dass sein Augenlicht immer schwächer wird. Was heute mit einer Brille leicht zu beheben wäre, ist im Mittelalter ein echtes und existenzbedrohendes Problem, denn irgendwann wird es sich auf seine Arbeit als Schmied auswirken. Als er zur Aushilfe den Wanderschmied Christof einstellt, ahnt er noch nicht, wie sehr das sein gesamtes Leben verändern wird.
Cat T. Mad zaubert hier einer wunderschöne, unheimlich sinnliche Geschichte mit zwei tollen Protagonisten aus dem Hut: Der wortkarge, einsiedlerische Jacob und er stets gutgelaunte und warmherzig-kluge Christof ergänzen sich auf mehr als einer Ebene. Der Funke springt nicht nur bei den beiden über, sondern packt auch den Leser. Klasse!

6. „Come di pietra – Wie aus Stein“ von Moritz Berg
Wie so oft malt Moritz Berg mit seinen Worten intensive, starke Bilder, die den Leser packen und nicht mehr loslassen. Man spürt die Wärme der italienischen Sonne förmlich auf der Haut und merkt erst nach und nach, dass man eine überraschende und wunderschöne kleine Geschichtsstunde besucht hat …

7. „Es gibt doch schwule Frisöre!“ von Ashan Delon
Volkers beste Freundin Emma kann nicht glauben, dass es außer ihm keinen einzigen Schwulen in der Stadt gibt und macht sich gemeinsam mit ihm auf die Suche.
Die Story ist echt witzig, aber es dauert eine ganze Weile bis aus einer Geschichte über „ziemlich beste Freunde“ eine Romanze wird. Damit sie funktioniert, muss man sich allerdings auf die Annahme einlassen, dass ein 25jähriger nicht weiß, wie das internet funktioniert.
(*frech grins* Vielleicht ist es auch einfach nur nicht meine Geschichte, weil ich lange Haare unheimlich mag und mich deshalb von Friseuren naturgemäß möglichst fernhalte. Die Sinnlichkeit eines Haarschnitts erschließt sich mir nur sehr mühsam, allerdings ist es Ashan Delon gelungen, mir zumindest einen winzigen Teil davon nahezubringen.)

8. „Unsicherheiten und Herausforderungen“ von Karolina Peli

Ich will zu dieser Geschichte nicht zu viel verraten, nur so viel, dass es Karolina Peli überraschend gut gelingt, Sympathie für einen Menschen zu wecken, der im ersten Moment eher kompliziert und – außer in seinem Beruf – wenig kompetent wirkt. Passend zu Alban entwickelt sich die Handlung zuerst langsam, aber gerade das macht sie glaubwürdig. Sie gewinnt übrigens merklich an Fahrt und Humor, als Krister auf den Plan tritt, was ausgezeichnet zu dessen Wesen passt.
Klasse geschrieben!

9. „Ohhh Noah!“ von Juli D Finn

Wenn man den ersten Satz liest, glaubt man diese Geschichte hätte einen ähnlichen Inhalt wie die letzte. Weit gefehlt! Noah und Max sind jung, lustig und manchmal … ein wenig wie tollpatschige Welpen. Beim Lesen kann man sich das Grinsen kaum verbeißen. Macht Spaß!!!

10. „Süßigkeitengrinch“ von Sandra Black
Nate hasst alles Süße, aber sein bester Freund bringt ihn mit einem unwiderstehlichen Anreiz dazu, es wenigstens einmal zu probieren. Niemand ahnt, dass sich nicht das Naschwerk, sondern der Konditor Theo als größte Versuchung herausstellen wird.
Hm. Ich konnte mich nicht so recht mit Nate anfreunden, vielleicht weil so oft geschildert wird, was er nicht gut findet, dass ich mich kaum auf die Stellen einlassen konnte, in denen er einmal etwas genießt. Mir fehlte in dieser Geschichte ein wenig die Sinnlichkeit.

11. „Alles Handarbeit“ von Chris P. Rolls

Zu „Alles Handarbeit“ braucht man gar nichts sagen. Chris P. Rolls beherrscht ihr (Schreib-) Handwerk so perfekt, dass man plötzlich sogar Dreck – ok, eigentlich Lehm – mit ganz anderen Augen anschaut. Muss ich jetzt echt noch schildern, dass man die Anziehung und Leidenschaft zwischen Ario und Tibor nicht nur liest, sondern wirklich spürt?
Die Story ist definitiv eines der Highlights in der Sammlung!

12. „Engel in neongrün und rot“ von Ashan Delon

Ich weiß nicht, ob das Beste zum immer Schluss kommt, aber die Geschichte von Johannes und Thomas ist auf jeden Fall einer der Anwärter auf den „ersten Platz“. Als Leser findet man sich sofort mitten im Geschehen und fiebert mit, ob der nette Pannenengel wieder einmal nur für den Moment der Held des Geschehens sein wird, oder endlich seinen ganz persönlichen Himmel findet.
Richtig klasse geschrieben!



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"Es duftet nach Liebe"
"Farben der Liebe"
"Kuscheliger Winter"
- "Tor in eine andere Welt"
- "Liebe gehört zum Handwerk"


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Bildquelle: amazon

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