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Donnerstag, 6. Juni 2019

"Wolf Rain (Pys-Changeling Trinity Book 3) von Nalini Singh (engl.)

Mit dem Herzen einer Löwin

Mit Trauer im Herzen sucht Alexei in der Einsamkeit der Berge Trost … und spürt plötzlich ganz in seiner Nähe jemanden, der noch größeres Unglück ausstrahlt. Alexei folgt der mentalen Fährte und findet in einem unterirdischen Bunker eine gefangene Mediale. Doch wie ist das mitten im Territorium der SnowDancer Wölfe möglich?
Memory hat alle Hoffnung auf ein Leben in Freiheit aufgegeben, als ihr plötzlich ein Wolf in Menschenform die Tür in die Welt öffnet. Erstaunt, aufgeregt und tief entschlossen jede Sekunde zu auszukosten, beginnt Memory ihre Flügel zu entfalten. Angeblich ist sie eine E-Mediale, aber ihre Fähigkeiten scheinen nicht so recht ins Raster zu passen. Außerdem lässt ihr Entführer nichts unversucht, sie wieder einzufangen.
Wie wird ihr Leben in Zukunft aussehen? Kann und darf ist bei den E-Medialen bleiben? Und wie soll sie die widersprüchlichen Signale deuten, die ein knurriger Wolf ihr sendet?

Mit „Wolf Rain“ vom Nalini Singh kehren die Geschichten um die neue, vom Trinity Accord geführte Allianz zwischen Menschen, Medialen und Gestaltwandlern in die Sierra Nevada und nach San Francisco, also ins Kerngebiet der SnowDancer Wölfe und der DarkRiver Leoparden zurück. Entsprechend viele kleine „Gastauftritte“ haben altbekannte Helden und Heldinnen.

Memory schließt nach und nach vorsichtige Freundschaften, wirklich hingezogen fühlt sie sich aber zu dem dominaten Wolf, der ihr die Freiheit geschenkt hat. Warum aber hält Alexei ist auf Abstand? Hält er sie für schwach, obwohl er sie als „Löwin“ bezeichnet?
Als nicht nur von einer, sondern gleich von zwei Seiten Gefahren drohen, müssen die beiden zusammenhalten und kämpfen.

Es gibt eine Bewertung vorweg, weil ich nicht garantieren kann, nicht zu spoilern, wenn ich näher auf das Buch eingehe. „Wolf Rain“ beginnt ein wenig langatmig, wird aber zunehmend dichter, spannender und berührender, je weiter die Story sich entwickelt. Deshalb gibt es vom mir zufriedene 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Ab hier SPOILER möglich:
Alexei befreit Memory aus der Gewalt des Psychopaten, der sie seit frühester Kindheit in seiner Gewalt hatte. Ihre besondere Gabe lässt auch Mediale, die dazu – aus welchen Gründen auch immer – sonst nicht in der Lage sind, für einen begrenzten Zeitraum Gefühle empfinden. Das macht für Memorys Kidnapper seine Morde noch befriedigender. Gleichzeitig schafft der Mann es, Memory einzureden, ihre Gabe sei „dunkel“ und sie würde von den anderen Medialen sowieso nie akzeptiert werden.

Trotz ihrer langjährigen Isolation ist Memory eine unglaublich starke Persönlichkeit … und nach ihrer Befreiung durch Alexei überraschend normal in ihren sozialen Interaktionen. Das wird damit erklärt, dass ihr Silentium nie richtig gegriffen hat und ihr Entführer erlaubt hat, via „Comm“ Shows und Nachrichten zu sehen.
Memorys Geschichte ist berührend … aber – wenn man ehrlich ist – nicht neu. Immer wieder tauchen in der Serie mediale Psychopaten auf, die junge Frauen entführen und ermorden. Memorys Leid ist schrecklich, aber es erinnert auch ein wenig an die Erlebnisse von Brenna und Sahara. Auch die „Einzigartigkeit“ ihrer Gabe ist nicht wirklich neu …

So richtig Spaß macht das Buch ab der Stelle, an der Memory anfängt, ihre Flügel auszubreiten. Man spürt förmlich, wie sie es genießt, vorsichtigen Freundschaften zu schließen. Fast schon witzig ist ihre Vorliebe für bunte, auffällige Kleidung, ganz nach dem Motto: Ich werde NIE WIEDER unsichtbar sein.

Alexeis Gründe für seine Zurückhaltung werden vergleichsweise kurz abgehandelt. Tatsächlich werden die „Rogues“ schon im ersten Buch der Serie erwähnt, aber nirgendwo wirklich erklärt, was sie dazu bringt so wahnsinnig und tödlich zu werden. Vielleicht gibt es ja irgendwann mehr dazu.
Alexeis Charakter ist unheimlich komplex, seine Trauer und seine Vorsicht gegenüber anderen, aber auch seine Dominanz und das damit einhergehende Gefühl, für Schwächere sorgen zu müssen, sind wundervoll dargestellt. Trotzdem bleibt einiges ein wenig oberflächlich. Von ihm hätte ich gerne noch viel, viel mehr erfahren.

Die Story lebt von den Momenten, in denen er sich mit Memory kabbelt. Alexei nennt sie nicht umsonst „Löwin“! Furchtlos stellt sie sich ihm entgegen, wenn es die Situation erfordert und ist doch auch anschmiegsam und zärtlich, wenn Alexei es braucht. Memory ist genau die Frau, die zu ihm passt, das weiß Alexei sehr schnell. Es geht umso mehr zu Herzen, dass er sich aus nachvollziehbaren Gründen die Beziehung zunächst versagen will …

Wirklich zu Tränen gerührt hat mich die Nebenhandlung um Yuri, den älteren Arrow. Er wurde schon mehrfach erwähnt. Yuri ist ein perfektes Beispiel dafür, wie schwierig es sein kann, die mörderische Disziplin, die das Leben fast aller Medialer und besonders der Arrows bestimmt haben, abzulegen. Irgendwann wird sie zu einem integralen Bestandteil der Persönlichkeit und es ist nicht einfach, sich zu ändern, selbst wenn man es möchte. Seine kleinen und vorsichtigen Versuche zu leben, statt nur zu existieren treffen mitten ins Herz. Was das Schicksal für Yuri bereithält, werde ich nicht verraten, das wäre ein echter Spoiler! Es gibt in diesem Zusammenhang eine echte Überraschung, die eine Person wieder mehr in den Mittelpunkt rückt, die bisher maximal eine kleine Randfigur zu sein schien …

Ich habe mich unheimlich auf „Wolf Rain“ gefreut. Beim Lesen und auch danach bin ich aber ein wenig zwiegespalten. Oft hatte ich das Gefühl: „Kennst du schon!“ und – für Bücher von Nalini Singh ganz untypisch: „Nicht genug Tiefe!“. Dann aber kamen wieder Szenen, die mich bis ins Mark getroffen, zum Lachen und zum Weinen gebracht haben. Es gibt Beschreibungen, die – diesmal ganz typisch Nalini Singh – so kraftvoll und lebendig sind, dass man als Leser Raum und Zeit vergisst und in völlig in die betreffende Szene eintaucht. Dann riecht, schmeckt, hört und fühlt man plötzlich nicht mehr die eigene Umgebung, sondern die Einsamkeit einer Sternennacht in der Sierra Nevada oder das vibrierende Leben beim Neujahrsfest in Chinatown. Genau wegen dieser Momente hat die Geschichte in meinen Augen 5 Sterne verdient!

P.S.: Und natürlich wegen Judd, der mit einer coolen kleinen Lektion Memory dabei hilft sich selbst zu retten. 
*grins* Go, Judd, go!!! Ich habe dich vor ziemlich genau 10 Jahren in "Leopardenblut" kennengelernt und war mehr als glücklich, dass „Eisige Umarmung“ gerade erschienen war, so dass ich deine Geschichte auch sofort lesen durfte. 
^^ Du bist nach all den Jahren immer noch einer meiner absoluten Lieblingshelden!!!

Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Nalini Singh kaufen: 
- "Wolf Rain" (Berkley Verlag, erschienen am 04.06.)
- "Wolf Rain" (Gollnaz Verlag, erschienen am 05.06. hat eindeutig das schönere Cover)

Die ersten drei Geschichten der "Trinity" Serie liegen bereits auf Deutsch vor:
- "Silbernes Schweigen" (Valentin & Silver)
"Das Licht des Ozeans" (Bowen & Kaia)
- "Schatten der Erinnerung" (Alexei & Memory)


Bildquelle: amazon

# Die Rezension enthält Werbelinks.

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