Samstag, 29. Oktober 2016

"Sex, Drugs & Handicaps" von Jona Dreyer

Unwiderstehlich!

Als Rhys die Chance erhält, für seinen Musikblog ein Interview mit seinem heimlichen Schwarm, dem Sänger und Musiker Tyr Ravenson, zu führen ist er ziemlich aufgeregt. Aber die raue Wirklichkeit nimmt ihm jede Illusion: Der Tyr erscheint betrunken zu dem Termin, pöbelt herum und ist völlig respektlos. Statt das misslungen Interview zu veröffentlichen, macht Rhys voller Wut seiner Enttäuschung Luft und landet damit im Internet einen Volltreffer, dessen Auswirkungen auf Tyr zurückfallen.

Ob er das mit einer Entschuldigung aus der Welt räumen kann? Tyr schickt sein „privates“ Alter Ego Avery Bell auf den weiten Weg nach Wales. Er ahnt nicht, das er Rhys damit nicht zum letzten Mal getroffen hat …

Als ich zum ersten Mal über „Sex, Drugs & Handicap: Die Liebe kann dein Leben ändern“ gestolpert bin, dachte ich: Naja, wieder mal so eine typische Story um einen Rockstar und einen Nerd. Kann man lesen, muss man aber nicht. Dann allerdings ist mit mit „
Herzweh & Zahnklopfen“ meine erste Geschichte von Jona Dreyer in die Finger gefallen und mich in ihre Art eigenwillige, interessante Charaktere zu präsentieren verliebt. Auch wenn „Sex, Drug & Handicap“ einen etwas anderen Tenor hat, bin ich nicht enttäuscht worden. Die Geschichte ist einfach unwiderstehlich!

Rhys und Tyr / Avery sind ganz einzigartige Typen, die es mühelos schaffen, alle Klischees zu bedienen und trotzdem interessante Individualisten zu bleiben. Als echte Überraschung erweist sich, wie glaubhaft es ist, dass die beiden Männer sich für (oder durch?) die Liebe zueinander ändern. Dabei wollen beide sich am Anfang noch nicht einmal eingestehen, wie sehr sie sich zueinander hingezogen fühlen und auch ihre Umgebung reagiert nicht besonders positiv auf die beiden als Paar. Man will und kann die Geschichte nicht aus der Hand legen, bis man weiß, ob und wie die beiden Männer ihr gemeinsames Glück finden.

Die Story macht – bei aller Ernsthaftigkeit – unheimlich Spaß. Jona Dreyer hat ein feines Gespür für Situationskomik und anscheinend einen diebischen Spaß daran, auch einmal derbe und politisch völlig unkorrekte Scherze zu machen. Das bekommt vor allen Rhys zu spüren, dem Tyr den ein oder anderen Knaller förmlich um die Ohren haut. Dafür entschädigen unheimlich zärtliche und liebevolle Momente.

Klasse fand ich auch, dass die kleinen Eigenheiten der Charaktere nicht aufgesetzt wirken und sich konsequent durch die gesamte Geschichte ziehen. Auch wenn Rhys und Tyr / Avery sich für die Liebe ändern, so bleiben sie sich selbst doch treu. Hört sich vielleicht komisch an, ist aber einfach toll zu lesen.

Natürlich ist Rhys „Handicap“ immer wieder Thema in der Story. Es macht aber nicht ihren Kern aus. Gerade das finde ich klasse. Natürlich prägt eine schwere Erkrankung wie MS den Alltag eines Menschen, aber sie definiert ihn nicht alleine. Rhys hat auch eine Menge Eigenschaften, die gar nichts mit seiner angegriffenen Gesundheit zu tun haben, durch sie aber vielleicht verstärkt werden. Seine Unabhängigkeit ist ihm zum Beispiel unheimlich wichtig, was durch die Krankheit noch verstärkt wird.

Mir hat die Story mit ihren beiden ungewöhnliche Helden jedenfalls richtig gut gefallen. Deshalb gibt es von mir auf jeden Fall 5 Punkte und eine begeisterte Leseempfehlung.



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Bildquelle: amazon

Kommentare:

  1. Hallo Ulla, ich habe die Geschichte vor einer halben Ewigkeit gelesen und dann ist sie im "einmal reicht"-Ordner gelandet.

    Mir ist so, als gab es da eine Konzert Szene, die ich furchtbar fand.

    Wobei mir besonders auch Rhys als schwierig in Erinnerung geblieben ist.
    Lustig wie unterschiedlich man Bücher lesen kann

    LG

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    1. Hallo Allerleihrau!

      Ich glaube ich weiß, was du meinst. Aber ich finde es immer sehr interessant, wenn sich ein Charakter durch die Liebe halt nicht komplett ändert, weil das im Real Life meist auch nicht der Fall ist. Avery sucht weiterhin als sein Tyr bei Problemen Vergessen in Sex, Drugs und Rock, weil das anscheinend die einzige Strategie ist, die er kennt. Auch Rhys braucht sehr lange, bis in seinem Herzen angekommen ist, dass ihn jemand liebt. Während dessen macht er weiter auf "Igel" und fährt lieber seine Stacheln aus, statt jemanden an sich heranzulassen, der ihn vielleicht verletzen könnte.

      Ich mag hin und wieder Storys, die bei allem Zucker auch ein bisschen Säure enthalten.

      GLG ulla

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  2. Schön, dass dir mein "Bumsbudenrülps" so gefallen hat ;)
    Ich verstehe aber auch die Kritik. Ich würde manche Sachen heute sicher anders schreiben, aber es war auch erst mein zweiter Roman und man entwickelt sich ja (hoffentlich) weiter ;) LG

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