Sonntag, 1. Oktober 2017

"Wilde Umarmung" von Nalini Singh

Zärtlich, wild, unglaublich romantisch und … mörderisch?!

Mit “Wilde Umarmung“ versüßt Nalini Singh den Fans das Warten auf den nächsten Band der Hauptserie und ist nicht, wie Amazon behauptet, Band 16 der Serie. 
Der erscheint auf Deutsch erst am 18. Januar 2018 unter dem Titel "Age of Trinity - Silbernes Schweigen".

In der vorliegenden Sammlung findet man vier bisher auf Deutsch noch nicht veröffentlichte Kurzgeschichten, die zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten spielen.

Ausnahmsweise gibt es die Bewertung vorweg, weil ich nicht zu 100% sicher bin, dass keine Spoiler in den Infos zu den einzelnen Storys stecken. Drei der vier Geschichten in „Wilde Umarmung“ haben mich, wieder einmal begeistert und verzaubert, eine war … ok. Insgesamt gibt es deshalb mal wieder mehr als 5 Punkte und eine Leseempfehlung.
Jede Geschichte hat einen ganz eigenen Stil, aber alle sind gut. Meine absolute Lieblingsgeschichte in der Sammlung und herzergreifend romantisch ist „Tanz der Gefährten“. *sfz* Die werde ich mit Sicherheit mehr als einmal lesen. 


P.S.1: Warnung an die Jungs! Hier wird einmal wieder in Perfektion gezeigt, wie man um eine Frau wirbt. Ich empfehle – rein zur Sicherheit – auf dem Heimweg beim Blumenladen vorbei zu gehen, sobald das Buch im Haus ist …

P.S.2: Warnung an die Mädels! Mal ganz ehrlich: So wahnsinnig romantisch … sind die meisten Jungs nur in den Büchern von Nalini Singh. Aber es ist einfach super-schön, das mal zu lesen. Nicht böse sein, wenn es zuhause ein wenig realistischer zugeht …

1. Echo der Stille
Stefan Berg, der Chef der Untersee-Station Alaris, scheint als Medialer makellos zu sein, völlig gefühlskalt und emotionslos. Trotzdem wird die junge Technikerin Tazia das Gefühl nicht los, dass er sie aus der Distanz genau beobachtet. Erst als sie wieder einmal eine ihrer ungeliebten Auszeiten an Land nehmen muss, macht Stefan ihr einen überraschenden Vorschlag. Nach und nach enteckt Tazia unerwartete Seiten an dem stillen Mann …

Stefan Berg ist als Nebenfigur in der Serie schon öfter aufgetaucht bzw. erwähnt worden. Es macht Spaß, endlich seine Geschichte zu lesen. Die tiefe Liebe zu Tazia spürt man sehr schnell, auch als er sie sich noch gar nicht eingestehen will. Es ist sehr berührend zu erleben, wie die beiden sich langsam aufeinander einlassen. Beide sind einsam und vermissen ihre Familien schmerzlich, obwohl Stefan als Medialer so etwas gar nicht empfinden sollte.

Die Story von Stefan und Tazia ist bei aller Sinnlichkeit ruhiger als die drei in diesem Buch noch folgenden. Das passt aber genau zu der grausame antrainierten Beherrschung des Medialen und zu seiner Geliebten, die in einer sehr zurückhaltenden Kultur aufgewachsen ist..
Wunderschön fand ich, dass die Geschichte zeigt, wie Liebe auch im verborgenen blühen und gedeihen kann.
Das Ende der Story ist unglaublich zärtlich. Wie kaum jemand anderes schafft es Nalini Singh hier wieder einmal große Gefühle glaubhaft in kleinen Gesten zu verpacken.

Kleine Anmerkung: Die Geschichte hat mich persönlich ein wenig überrascht, weil in der Hauptserie zwar durchschimmerte, das Stefan eine geheime Beziehung mit einem Menschen führt, ich aber (warum auch immer) davor überzeugt war, er wäre mit einem anderen Mann zusammen.

2. Dorian
Diese Story setzt sich eher aus kleinen Episoden zusammen. Sie beginnt mit Dorians Kindheit und Jugend und macht noch deutlicher, wie er zu dem Mann geworden ist, den man aus den Büchern kennt. Außerdem schildert sie das erste Treffen „unserer“ Helden mit Clay. Diesen kleinen Schnipsel mag ich ganz besonders.
Toll ist auch die Szene mit Ashaya nach Dorians erster Verwandlung, fast noch schöner seine erste Runde auf vier Pfoten durch das Rudel.

Wer Dorian und seine Geschichte („Gefangener der Sinne“) auch nur ein wenig mag, wird diese kleinen Einblicke in sein Leben lieben. Versprochen!

3. Tanz der Gefährten
Felix ist der Chef-Gärtner des SowDancer-Rudels, Desiree eine hochrangige Soldatin bei DarkRiver. Der stille Wolf zwar fasziniert von der schönen Leopardin, aber zuerst völlig erschrocken, als sie sich ihm nähert. Ihre Positionen im jeweiligen Rudel sind zwar beide wichtig und ihr Ratschlag wird geschätzt, aber ihre „Tiere“ ordnen jedes Gegenüber automatisch auf einer „Dominanz-Skala“ ein. Dabei liegt die Scharfschützin Desiree ist ganz erheblich weiter oben, als der schüchterne, sanfte Felix. Wie kommt ein Mann mit dem Wissen klar, dass die Frau, die sich für ihn interessiert, das gefährlichere Raubtier ist?

Auf diese Geschichte war ich unheimlich gespannt, da es hier um eine in der Rudel-Hierarchie dominante Frau und einen unterwürfigen Mann geht. Dieses Paaring gab es so in der Serie noch nicht, die dominanten Frauen haben alle mehr oder weniger gleich starke Partner. Die Story könnte kitschig sein, sie ist aber einfach nur unheimlich toll. Felix und Desiree finden ihren ganz eigenen Weg, weil sie einander vorbehaltlos akzeptieren und auf einander eingehen. Ich schmelze immer noch, wenn ich an ihre vorsichtige und sehr zärtliche Werbung umeinander denke.

4. Flirt mit dem Schicksal
Kenji und Garnet, genannt Jem, sind beide Lieutenants im SnowDancer-Rudel. Ihre Streitgespräche bei den Meetings sind legendär! Hier erfährt man also endlich, was dahinter steckt …

Ich muss gestehen, dass dies eine der wenigen Geschichten von Nalini Singh ist, die ich problemlos immer wieder zur Seite legen konnte. Das hat zwei Gründe, die ein anderer Leser vielleicht ganz anders bewerten wird.

1. Die Story hat einen durchaus spannenden Krimi-Plot. Toll, wenn man so was mag. Ich persönlich … hasse Krimis.

2. Kenji und Garnet sind sozusagen Sandkastenfreunde, die ein Missverständnis getrennt hat. Mich nerven solche Geschichten meistens, weil ich die Protas schütteln und ihnen sagen möchte: „He! Was für Freunde seid ihr eigentlich, dass ich es so lange nicht schafft, mal ein klärendes Gespräch zu führen?“

Wenn diese Story nicht von Nalini Singh in ihren gewohnt wunderschönen und sehr sinnlichen Bildern geschrieben worden wäre, hätte ich sie wahrscheinlich nicht zu Ende gelesen. Hier hatte ich fast mehr Spaß an den Nebenfiguren und –handlungen, als an Kenji und Jem. Das ist aber – wie schon gesagt – persönlicher Geschmack. Außerdem hatten es die beiden nach der kaum zu toppenden Love-Story von Felix und Desiree sowieso ein wenig schwerer …

Haben wollen? 
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"Wilde Umarmung"

Bildquelle: amazon

Kommentare:

  1. Hallo Ulla, Deine Rezension spricht mir aus dem Herzen.
    Ich habe ja schon die Fassung im Original gelesen, bin trotzdem froh, nun die deutsche Übersetzung zur Verfügung zu haben.
    LG Allerleihrau

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    1. Hallo Allerleihrau!
      Das geht mir auch so: Ich lese die Sachen zuerst im Original und kann es dann trotzdem nicht erwarten, die Übersetzung inn der Hand zu halten. Wobei ich den Übersetzern der Serie auch einfach mal ein dickes Lob aussprechen möchte. Selbst wenn mir die Übertragung mancher Kunstbegriffe ins Deutsche nicht zu 100% gefällt, so schaffen sie es doch immer wieder grandios, den Tenor zu treffen und die wunderschönen Bilder die Nalini Singh it ihren Worten malt, in unsere Sprache zu übertragen.

      Trotzdem: "Archangel's Blade" war das erste Buch, das ich auf Deutsch schon Gott weiß wie oft gelesen hatte und es mir dann irgendwann im Original gegönnt habe. Jetzt lese ich mal in der einen und mal in der anderen Sprache, je nach Lust und Laune.

      GLG und einen schönen Sonntag
      Ulla

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  2. Oh, wie schade. Ich dachte auch, dass Stefan mit einem Mann zusammen ist/kommt.
    Muss ich mir noch überlegen, ob ich diese Sammlung lesen. Auch wenn ich ja schon sehr neugierig wäre.

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    1. Hallo Christina!
      Ha! War ich also doch nicht die Einzige, die diesen Eindruck hatte!

      Ich bin als Fan von Nalini Singh vielleicht nicht wirklich objektiv, aber die Sammlung lohnt sich in meinen Augen auf jeden Fall.
      Wie gesagt, alleine die Geschichte von Felix und Desiree ist so verboten romantisch, dass man sie gleich mehrmals lesen kann, ohne dass sie langweilig wird.

      GLG Ulla

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