Freitag, 19. Oktober 2018

"Wenn das Morgenlicht uns küsst" von Cooper West

Melancholie und Musik …

Gary befindet sich an einem Tiefpunkt, als er zurück in den tiefen Süden kommt, um das geerbte Haus seiner verstorbenen Tante zu übernehmen. Doch zu seiner Überraschung findet der dort nicht nur Freunde, sondern auch endlich seine musikalische Bestimmung. Eine noch größere Überraschung ist aber Chuck. Der Mann könnte für Gary die Liebe seines Lebens werden, wenn er nicht tief im Schrank leben würden und seiner völlig homophoben Familie verpflichtet wäre …

Wenn das Morgenlicht uns küsst“ von Cooper West ist … schwer zu beschreiben. Das Buch überrascht auf unterschiedlichen Ebenen. Es ist eben so sehr ein Entwicklungsroman, wie das Sittengemälde einer Gesellschaft, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart feststeckt und außerdem eine wunderbare Lovestory.

Die Geschichte wird aus Garys Sicht erzählt. Obwohl auch er aus dem Süden stammt, erlaubt die lange Zeit, die er im toleranten Chicago verbracht hat, ihm einen anderen Blickwinkel auf seine alte Heimat. Er genießt die Freundlichkeit und den Zusammenhalt, aber er ist nicht blind für die Zwänge und weiß um die Feindseligkeit gegenüber Schwulen. Mit Gary zusammen lernt der Leser den tiefen Süden (neu) kennen und zwar die guten und die weniger guten Seiten.

Während er scheinbar „nur“ den Haushalt seiner Tante auflöst, geht Gary einen weiten Weg. Die Heimkehr ist auch eine Art Neubeginn, was sich vor allem in seiner Musik ausdrückt. Gary findet endlich zu sich selbst. Langsam lernt er seine Ängste und Unsicherheiten zu überwinden, wird zu einem Mann, der selbstsicher genug ist, um sich nicht mehr über andere zu definieren oder sich von anderen definieren zu lassen.

Die Lovestory zwischen Gary und Chuck ist etwas ganz Besonderes. Garys Faszination für Chuck spürt man von ersten Sekunden an. Man erlebt seine Zweifel, seine vorsichtige Freude, seine intensiven Gefühle hautnah mit und versteht seine Ängste. Man spürt aber auch Chucks Zerrissenheit. Sein Interesse an Gary ist greifbar, aber immer noch glaubt er sich den Erwartungen seiner geradezu riesigen Familie beugen zu müssen. Ein einziger, unbedachter Moment stellt schließlich alles in Frage. Gibt es einen Ausweg für Gary und Chuck???

Über der gesamten Geschichte liegt eine gewisse Melancholie, die wunderbar zu den Tönen des Bluegrass passt, dessen Melodien sich wie ein Leitmotiv durch das Buch ziehen. Gary und Chuck kommen sich über die Musik näher, umwerben einander damit und schließlich ist es auch die Musik, die sie zu einer Entscheidung zwingt und so ihre Zukunft beeinflusst. Wie Bluegrass spielt die Geschichte mit Harmonien, verbindet Stile, die scheinbar nicht passen zu einem harmonischen Ganzen und verschweigt doch die Probleme und die hässlichen Seiten des Südens nicht.

Fazit: Das Buch hat mich unmerklich mehr und mehr in seinen Bann gezogen und zwar so sehr, dass ich zuerst stinkwütend war, als es (und das ist sein einziger Fehler!) recht abrupt endet. Keine Sorge, es gibt kein offenes Ende, aber ich wollte (und will) eigentlich unbedingt weiter dabei sein …
Cooper West hat mich mit „Wenn das Morgenlicht uns küsst“ völlig gefangen genommen und fasziniert. Dafür gibt es mehr als 5 Punkte und eine Leseempfehlung.


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- "Wenn das Morgenlicht uns küsst“ 

Bildquelle: Cursed Verlag

# Die Rezension enthält Werbelinks.

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