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Dienstag, 31. Mai 2016

"Liebe gehört zum Handwerk" von der Kuschelgang

Zwölf Geschichten mit Hand und … Herz!

Ich bin froh, dass ich mich nicht entscheiden muss, welches meine Lieblingsgeschichte in diesem Buch ist. Stattdessen werde ich mit Sicherheit vergnügt noch mehr als einmal lesen, was die Herren Handwerker mit ihren mehr oder weniger geschickten Fingern alles so anstellen, sobald sie ihr Werkzeug beiseitelegen und sich ihren privaten Leidenschaften widmen …

Fazit: Mindestens 5 Punkte und eine Leseempfehlung. Handwerklich gut gelungen und künstlerisch einwandfrei.
Mit "Liebe gehört zum Handwerk" liegt das mittlerweile neunte Buch der Kuschelgang vor. Es ist in sich rund und richtig klasse! Die Anthologien scheinen mit jedem Band besser zu werden! Besonders gut hat mir hier übrigens gefallen, dass die Geschichten nicht nur ein gemeinsames Oberthema hatten, sondern – ob bewusst oder unbewusst – im Buch so angeordnet waren, dass sie auch wie bei einem fein gewürzten Gericht ganz unterschiedliche und doch zueinander passende Aspekte des Themas beleuchten. 

Wer noch genauere Details zu den einzelnen Storys lesen möchte, findet die unten. Es macht aber auch Spaß, sich ganz unbedarft auf die vielen unterschiedlichen Geschichten und Schreibstile einzulassen. Mir haben sich die Handwerker und ihre Liebsten auf jeden Fall ins Herz geschlichen!

1. „Zweite Chance“ von Kataro Nuel
Philip braucht einen Neuanfang und erhält mit viel Glück nicht nur berufliche eine Chance. Die Angst vor dem Ende ist allerdings allgegenwärtig.
Kataro Nuel lässt sich die Zeit, die ihre beiden Helden brauchen, um sich und ihren Platz zu finden. Die Geschichte ist wunderschön erzählt, mit der genau der richtigen Mischung aus bitter und süß. Man bangt mit Philip und freut sich umso mehr, als er sein verdientes HE bekommt. Gefallen haben mir außerdem die liebevoll gezeichneten Nebencharaktere. Die Story macht Lust darauf, ganz viel mehr von Kataro Nuel zu lesen!

2. „Maßnahmen“ von Ashan Delon
Simon ist ganz anders als das tapfere Schneiderlein im Märchen kein Maulheld, sondern eher schüchtern und zurückhaltend. Erst als er den extrovertierten Moritz trifft, der einfach nicht aufhört zu reden, bis er endlich hat, was er will, muss er langsam über sich selbst hinauswachsen.
Es ist einfach verboten niedlich und dabei richtig witzig zu lesen, wie die beiden unterschiedlichen Männer ihre Faszination füreinander entdecken und sich schließlich nicht mehr dagegen wehren können. Oder wollen.
Ich grinse übrigens immer noch ganz verzückt, weil mir die Story so richtig gut gefallen hat.

3. „Unversehrt“ von Jobst Marenhorst
Mit Emilio und Raffaele finden sich zwei einsame Einzelgänger, die so sehr daran gewöhnt sind, alleine zu sein, dass sie fast die Chance verpassen, die das Leben ihnen anbietet.
Jobst Marenhorst beschreibt die Geschichte der beiden Außenseiter mit sehr eigenwilligen und gerade deshalb sehr eindringlichen Bildern. Sie ist leise angelegt und findet ihren lauten Widerhall erst im Herzen des Lesers. Sie berührt und geht unter die Haut. Ich kann und will nicht verraten, wie sie endet, aber ich weiß, dass sie mir lange nicht aus dem Kopf gehen wird.

4. „Der verrückte UhrHutMacher“ von Caitlin Daray
Tja. Also … Irgendwie fehlt es Henrik an Fantasie. Das kann man allerdings so von Derek nicht sagen und plötzlich weiß der arme Henrik kaum noch wo ihm der Kopf steht. Wieso nur scheint der andere Mann mal heiß wie Feuer und mal kalt wie Eis zu sein???
Mit einem Augenzwinkern schickt Caitlin Daray ihren Helden und mit ihm zusammen den Leser auf eine völlig verrückte Odyssee der Gefühle.

5. „Herzenblicke“ von Cat T. Mad

Jacob spürt, dass sein Augenlicht immer schwächer wird. Was heute mit einer Brille leicht zu beheben wäre, ist im Mittelalter ein echtes und existenzbedrohendes Problem, denn irgendwann wird es sich auf seine Arbeit als Schmied auswirken. Als er zur Aushilfe den Wanderschmied Christof einstellt, ahnt er noch nicht, wie sehr das sein gesamtes Leben verändern wird.
Cat T. Mad zaubert hier einer wunderschöne, unheimlich sinnliche Geschichte mit zwei tollen Protagonisten aus dem Hut: Der wortkarge, einsiedlerische Jacob und er stets gutgelaunte und warmherzig-kluge Christof ergänzen sich auf mehr als einer Ebene. Der Funke springt nicht nur bei den beiden über, sondern packt auch den Leser. Klasse!

6. „Come di pietra – Wie aus Stein“ von Moritz Berg
Wie so oft malt Moritz Berg mit seinen Worten intensive, starke Bilder, die den Leser packen und nicht mehr loslassen. Man spürt die Wärme der italienischen Sonne förmlich auf der Haut und merkt erst nach und nach, dass man eine überraschende und wunderschöne kleine Geschichtsstunde besucht hat …

7. „Es gibt doch schwule Frisöre!“ von Ashan Delon
Volkers beste Freundin Emma kann nicht glauben, dass es außer ihm keinen einzigen Schwulen in der Stadt gibt und macht sich gemeinsam mit ihm auf die Suche.
Die Story ist echt witzig, aber es dauert eine ganze Weile bis aus einer Geschichte über „ziemlich beste Freunde“ eine Romanze wird. Damit sie funktioniert, muss man sich allerdings auf die Annahme einlassen, dass ein 25jähriger nicht weiß, wie das internet funktioniert.
(*frech grins* Vielleicht ist es auch einfach nur nicht meine Geschichte, weil ich lange Haare unheimlich mag und mich deshalb von Friseuren naturgemäß möglichst fernhalte. Die Sinnlichkeit eines Haarschnitts erschließt sich mir nur sehr mühsam, allerdings ist es Ashan Delon gelungen, mir zumindest einen winzigen Teil davon nahezubringen.)

8. „Unsicherheiten und Herausforderungen“ von Karolina Peli

Ich will zu dieser Geschichte nicht zu viel verraten, nur so viel, dass es Karolina Peli überraschend gut gelingt, Sympathie für einen Menschen zu wecken, der im ersten Moment eher kompliziert und – außer in seinem Beruf – wenig kompetent wirkt. Passend zu Alban entwickelt sich die Handlung zuerst langsam, aber gerade das macht sie glaubwürdig. Sie gewinnt übrigens merklich an Fahrt und Humor, als Krister auf den Plan tritt, was ausgezeichnet zu dessen Wesen passt.
Klasse geschrieben!

9. „Ohhh Noah!“ von Juli D Finn

Wenn man den ersten Satz liest, glaubt man diese Geschichte hätte einen ähnlichen Inhalt wie die letzte. Weit gefehlt! Noah und Max sind jung, lustig und manchmal … ein wenig wie tollpatschige Welpen. Beim Lesen kann man sich das Grinsen kaum verbeißen. Macht Spaß!!!

10. „Süßigkeitengrinch“ von Sandra Black
Nate hasst alles Süße, aber sein bester Freund bringt ihn mit einem unwiderstehlichen Anreiz dazu, es wenigstens einmal zu probieren. Niemand ahnt, dass sich nicht das Naschwerk, sondern der Konditor Theo als größte Versuchung herausstellen wird.
Hm. Ich konnte mich nicht so recht mit Nate anfreunden, vielleicht weil so oft geschildert wird, was er nicht gut findet, dass ich mich kaum auf die Stellen einlassen konnte, in denen er einmal etwas genießt. Mir fehlte in dieser Geschichte ein wenig die Sinnlichkeit.

11. „Alles Handarbeit“ von Chris P. Rolls

Zu „Alles Handarbeit“ braucht man gar nichts sagen. Chris P. Rolls beherrscht ihr (Schreib-) Handwerk so perfekt, dass man plötzlich sogar Dreck – ok, eigentlich Lehm – mit ganz anderen Augen anschaut. Muss ich jetzt echt noch schildern, dass man die Anziehung und Leidenschaft zwischen Ario und Tibor nicht nur liest, sondern wirklich spürt?
Die Story ist definitiv eines der Highlights in der Sammlung!

12. „Engel in neongrün und rot“ von Ashan Delon

Ich weiß nicht, ob das Beste zum immer Schluss kommt, aber die Geschichte von Johannes und Thomas ist auf jeden Fall einer der Anwärter auf den „ersten Platz“. Als Leser findet man sich sofort mitten im Geschehen und fiebert mit, ob der nette Pannenengel wieder einmal nur für den Moment der Held des Geschehens sein wird, oder endlich seinen ganz persönlichen Himmel findet.
Richtig klasse geschrieben!



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Dienstag, 24. Mai 2016

"unGAYzogene Storys: Gay Romance Snacks" von Inka Loreen Minden

Geht immer wieder …

Mit „unGAYzogene Storys“ legt Inka Loreen Minden eine frisch-freche Sammlung ihrer Frühwerke neu auf, deshalb wird dem ein oder anderen Leser vielleicht eine der Geschichten bekannt vorkommen. Die Snacks machen aber alle Spaß, egal ob man sie zum ersten Mal liest, oder zum zweiten, dritten oder x-ten Mal.

1. Ein schwieriger Fall

Die Detectives Jack und Ryan müssen zusammen in der Schwulenszene von Soho ermitteln. Die überraschenste Erkenntnis hat allerdings nicht wirklich etwas mit ihrem Fall zu tun.

2. Fesselnde Leidenschaft

Dane wird von Piraten gefangengenommen. Kapitän Raven ist ihm nicht unbekannt. Die beiden haben noch eine Rechnung offen.

3. Friends Forever
Steve und Ryan sind beste Freunde, obwohl sie aus völlig verschiedenen Welten stammen. Als herauskommt, das Ryan schwul ist, rettet Steve ihn vor einigen miesen Schlägern. Aber wie wird diese Wahrheit sich auf ihre Freundschaft auswirken?

4. Herr der Hiebe – The Beginning
Raoul hasst Vampire. Als er Nicholas dabei erwischt, in seinem Revier einen Menschen auszusaugen, will er ihn umbringen. Der Vampir reagiert darauf nicht wie erwartet.

5. Herr der Hiebe – Follow Up

Nicholas scheint immer noch Todessehnsucht zu haben. Raoul will sie ihm austreiben und ist dabei nicht zimperlich.

6. Späte Erkenntnis
Die Arbeit auf einer Bohrplattform ist knallhart. Außenseiter haben es da schwer. Kim will deshalb nach seinem Urlaub nicht mehr zurückkommen. Im letzten Moment passiert etwas, das seine Meinung ändern könnte.

7. Der Traum-Mann

Desmond ist als Incubus auf Sex angewiesen. Auf eine ganze Menge Sex. Mehr als ein einzelner Mann verkraften kann. Trotzdem entwickelt er eine Vorliebe für den *räusper* Saft eines besonderen Menschen. Kann das auf Dauer gut gehen?

8. Luke und ich

John will unbedingt eine Sprechrolle im Film habe und versucht deshalb mit allen Mitteln seinen Regiesseur Luke von sich zu überzeugen. Ein überraschendes Geständnis kommt ihm zur Hilfe.

9. Buon Natale
Simon und Marco sind schon lange Kollegen, aber bei einer feuchtfröhlichen Weihnachtsfeier unterhalten sie sich zum ersten Mal auch privat. Danach … wird es noch privater …

10. Nozze
Marco hat einen dummen Fehler gemacht und Simon damit vertrieben. Wird sein Geliebter ihm verzeihen?

Wenn ich mich entscheiden müsste, welches meine Lieblingsgeschichte ist, würde ich wohl „Buon Natale“ und „Nozze“ wählen, weil ich die beiden Jungs von der ersten Zeile an unheimlich sympathisch fand. Über den Dämon Raoul und seine mehr als interessante Beziehung zu dem sexy Vampir Nicholas hätte ich gerne noch viel mehr gelesen. Irgendwie scheinen die beiden in die von magischen Wesen bevölkerte Welt der Wächterschwingen zu passen. Da die Autorin angedeutet hat, dass sie diese Reihe irgendwann fortsetzen will, hoffe ich wirklich, den beiden noch einmal zu begegnen.

Auch die anderen „Snacks“ sind nette kleine Lesehappen für Zwischendurch. Für jede Stimmung ist etwas dabei, wobei Soft-SM in den meisten Storys eine mehr oder weniger starke Rolle spielt.

Fazit: Insgesamt haben mir die Geschichten gut bis sehr gut gefallen und erhalten damit 4,5 aufgerundet 5 Punkte und eine Leseempfehlung. 

Anmerkung: Manchen der Storys merkt man an, dass sie am Anfang von Inka Loreen Mindens Karriere entstanden sind. Ihre aktuellen Geschichten sind flüssiger und runder formuliert. Eines aber wird auch in den „alten“ Sachen mehr als deutlich. Schreiben ist eben nicht nur Handwerk. Die beste Schreibe nutzt nichts, wenn der Autor keine sympathischen Charaktere erfinden, keine spannenden Situationen erschaffen und das Herz des Lesers berühren kann. All das schafft Inka Loreen Minden auch schon in ihren Frühwerken …

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Ganz aktuell von Inka Loreen Minden ist die "Dich nicht zu lieben"-Reihe. Besonders gut haben mir Malte und Fynn gefallen, deren Buch auch am Ende der "unGAYzogene Storys“ vorgestellt wird.

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Die Geschichte von Malte und Fynn kann man auch ohne Kenntnis der beiden anderen Bücher gut verstehen.


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Dienstag, 26. April 2016

"Tödliches Begehren – Mortal Desire" von Inka Loreen Minden

„Fesselnde“ Beziehung

Ethan ist Reporter und auf der Jagd nach der ganz großen Story. Er möchte endlich genug Geld verdienen, um seiner asthmakranken Schwester ein Leben auf dem Land zu ermöglichen. Deshalb verfolgt er Gabriel Norton, den geheimnisumwitterten Sicherheitschef eines zwielichten Kasinos. Leider wird er dabei erwischt und Gabriel denkt sich eine ganz besondere Strafe aus. Ethan stirbt fast vor Angst und spürt doch … Begehren.
Eine merkwürdige Beziehung beginnt, in der nicht immer klar ist, ob die stärkeren Fesseln aus kaltem Stahl oder glutheißer Anheizung sind.

Mit Gabriel hat Inka Loreen Minden einen dunklen Helden geschaffen, der einfach verboten sexy ist. Wie Ethan kann man sich als Leser Gabriels unheimlich sinnlicher Ausstrahlung nicht entziehen und versteht deshalb gut, warum Ethan sich auf das erotische Spiel um Dominanz und Unterwerfung einlässt. Ethan – und mit ihm der Leser – hat Angst und ist doch völlig fasziniert von Gabriel. 

Der Titel spricht fast unheilvoll von „Tödliches Begehren“. Lange ist nicht wirklich sicher, was in Gabriel vorgeht, auch wenn Teile der Geschichte aus seiner Sicht erzählt werden. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, worum es ihm mit Ethan tatsächlich geht und woher die eigentliche Gefahr droht.

Tödliches Begehren“ ist eine gelungene Mischung aus erotischem Roman und spannendem Thriller, die man voller Spannung nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man einmal damit angefangen hat.

Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto klarer wird, was Gabriel antreibt und das die Macht gar nicht so eindeutig bei ihm liegt, wie es am Anfang den Anschein hat. Der S/M-Anteil ist wirklich relativ soft, allerdings bewegt sich das Einverständnis beim Sex am Anfang auf einem sehr schmalen Grat. Wer Probleme damit hat, sollte dieses Buch nicht unbedingt lesen.

Für alle anderen gibt es von mir eine Leseempfehlung. Die begeisterten 5 Punkte bekommt die Story ohnehin.

Ich ärgere mich nur über mich selbst, dass ich meinem „Begehren“ diese Geschichte zu lesen nicht schon längst nachgegeben habe. Zum Glück hat mich das tolle Cover der Neuauflage endlich bewogen, die Story auf meinen Reader zu laden …

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Freitag, 22. April 2016

"Zwei Papas und ein Baby: Unser Leben als (fast) ganz normale Familie" von Tobias Rebisch


Zitat: „Es ist was es ist, sagt die Liebe.“

Besser als mit den eindringlichen Worten von Erich Fried kann man dieses ganz besondere Buch nicht in einem Satz zusammenfassen und passenderweise schließt es damit.

Für mich persönlich enthält "Zwei Papas und ein Baby" sogar drei sehr berührende Geschichten: Tobias Rebisch erzählt sehr offen, wie er nach einer schmerzhaften Trennung feststellt, dass er für seinen Freund Marc mehr empfindet, als er eigentlich dachte. Aufgewachsen auf dem Land und in einer eher traditionellen Familie, hat er einem bestimmten Ideal nachgeeifert und muss zuerst einmal mit sich selbst ins Reine kommen, bevor er sich eingestehen kann, dass er einen Mann liebt. Zu seinem Glück wird dieses Gefühl erwidert. Trotzdem dauert es noch eine ganze Weile bis sich die beiden Männer einander, ihren Freunden und schließlich ihren Familien offenbaren. Nachdem klar ist, dass sie für immer zusammenbleiben wollen, wächst der Wunsch nach einem Kind.

Hier beginnt der zweite Teil des Buches, in dem die Mühlen geschildert werden, durch die jedes adoptionswillige Paar gehen muss. Für Tobias und Marc kommt erschwerend hinzu, dass sie trotz ihrer eingetragenen Lebenspartnerschaft im Adoptionsrecht als Single-Männer gelten. Die Anforderungen, die Hoffnungen und die Verzweiflung, die der Ablauf das Verfahren an Menschen stellt, die sich ein Kind wünschen, aber nicht dazu in der Lage sind, es auf natürlichem Wege zu bekommen werden sehr deutlich. Dabei bleibt Tobias Rebisch immer fair. Er schildert ganz offen, dass einige Menschen dem Wunsch eines schwulen Paares nach einer eigenen Familie nicht verstehen, andere dagegen mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft reagieren.

Eine Adoption kann sehr schnell gehen, oder sich unheimlich in die Länge ziehen. Das nagt natürlich an einer Beziehung. Gerade als Marc und Tobias schon nicht mehr daran glauben, jemals Eltern zu werden, erreicht sie ein Anruf. Schon am nächsten Tag sind sie zu dritt: Plötzlich gibt es den kleinen Luis in ihrem Leben.
Dieser dritte und letzte Teil nimmt im Buch den größten Raum ein und schildert, wie aus zwei Männern und einem Baby eine (fast) normale Familie wird. Als Leser spürt man förmlich das tiefe Glück, das die Elternschaft für Tobias und Marc bedeutet, auch wenn die vielen kleinen und großen Sorgen nicht verschwiegen werden. Mit einem Augenzwinkern wird erzählt, welche absurden Auswüchse die Elternschaft manchmal haben kann, ganz unabhängig davon, ob eine "traditionelle" Familie mit der neuen Situation klar kommen muss, oder eine der unzähligen Variationen von Familie, die heute zum Alltag gehören.

Mich hat dieses Buch auf sehr vielen Ebenen unheimlich berührt. Trotz aller Probleme hatten und haben Tobias, Marc und Luis Glück, was ihnen auch sehr bewusst ist. Man freut sich von ganzem Herzen mit den Dreien, weil ihre Wünsche und Träume allen Widrigkeiten zum Trotz in Erfüllung gegangen sind.
Weil das Buch auf Tatsachen beruht, hat es aber noch eine weitere Komponente. Auch wenn die "Helden" vielleicht ganz anders heißen, erhält man als Leser einen kleinen, sehr privaten Einblick in ein echtes Schicksal mit einem Happy End. Ich finde, das macht Mut. Bei all den schlechten Nachrichten und Dramen, die man tagtäglich zu sehen, zu hören und zu lesen bekommt, ist es einfach schön, daran erinnert zu werden, dass Glück möglich ist, wenn man sich traut, danach zu greifen. Niemand kann hier behaupten, die Geschichte wäre nur ausgedacht, reine Fantasie oder ein nette Idee, aber in der Realität würde das ja ganz anders aussehen ...

Tobias Rebisch teilt seine ganz persönlichen Erfahrungen und mit jeder Seite die man umblättert, wird eines immer klarer: Liebe kennt kein Geschlecht, egal ob es um die Zuneigung zu einem Partner geht oder die innerhalb einer Familie. Die Hoffnungen und Träume, die Ängste und Probleme sind die gleichen. Das Leben, die Praxis überholen ganz unspektakulär die abstrusen Theorien, die Ewiggestrige gebetsmühlenartig wiederholen.
Wer „Zwei Papas und ein Baby“ gelesen hat, wird in Zukunft das "fast normal" im Zusammenhang mit Regenbogenfamilien nicht mehr brauchen. "Normal" reicht völlig aus.
"Es ist was es ist, sagt die Liebe." Welche politischen Konsequenzen das hat, erschließt sich von selbst.

Fazit: 5 Punkte und eine Leseempfehlung. Ein Buch, das Mut macht und beim Leser ein so gutes Gefühl zurücklässt, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

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Sonntag, 17. April 2016

Malte & Fynn: Dich nicht zu lieben 3 von Inka Loreen Minden

Zitat: „Du bist der heißeste, süßeste Kerl, der mir je begegnet ist.“

Malte, der zwar gegenüber seinen Freunden, nicht aber bei seinen Eltern, geoutet ist, lässt sich von den Mädels in eine Strip-Show schleppen. Der A
nblick des heißen "Razor" fährt ihm direkt ... nicht nur ins Herz. Überraschenderweise spricht der Tänzer Malte nach der Show an, stellt sich als Fynn vor und macht ihm ein unglaubliches Angebot. Wenn Malte auf seinen Verstand hören würde, wäre ein "Nein" darauf die einzig mögliche Antwort. Aber natürlich bringt er das nicht über die Lippen und die aufregendste Woche seines Lebens beginnt. So kommt er Fynn immer näher. Aber was will der eigentlich wirklich?

Ich verrate nicht, von wem der beiden jungen Männer das Zitat stammt, das ich als Überschrift gewählt habe. Es trifft sowieso auf jeden der beiden zu und man kann es auch über die Geschichte als solche sagen. In "Malte & Fynn", dem dritten Teil der "Dich nicht zu lieben Reihe" gelingt Inka Loreen Minden das Kunststück, eine Geschichte zu präsentieren, die zugleich zuckersüß und kochend heiß ist.
Der eher ernsthafte und etwas schüchterne Malte findet in dem lebhaften und scheinbar sehr offenen Fynn sein perfektes Gegenstück. Dass sich hinter dessen Fassade auch ein paar Geheimnisse verstecken, merkt man erst nach und nach, während man ihn zusammen mit Malte, aus dessen Sicht die Geschehnisse geschildert werden, besser kennenlernt. Der Story gelingt es überraschend gut ein Gleichgewicht zwischen jugendliche Leichtigkeit, heißen Szenen und echten Gefühlen zu finden.

Das Buch braucht keine künstlichen Dramen. Wie Malte und Finn zueinander finden, trägt die Geschichte problemlos, weil die sympathischen Charaktere direkt unter die Haut gehen. Man fiebert mit Malte, ob Fynn wirklich nur an einer lockeren Beziehung und einer Zusammenarbeit interessiert ist, oder ob da vielleicht doch mehr sein könnte. Das macht die Zärtlichkeiten manchmal ein wenig bittersüß, aber auch umso intensiver. Wie immer spart Inka Loreen Minden nicht mit deutlichen Worten, aber obwohl es eine Menge explizit geschilderte Situationen gibt, hat man nie das Gefühl, sie wären Selbstzweck. Die Jungs finden einander heiß und zeigen sich das auch. Spannend bleibt, ob mehr daraus werden wird ...

Fazit: Mir hat die Geschichte von Malte und Fynn richtig gut gefallen. Sie erhält sowohl auf der "niedlich" als auch auf der "heiß“ Skala die volle Punktzahl und auf jeden Fall eine Leseempfehlung.

An die Autorin: Bitte mehr davon!

P.S.: Ich habe jetzt allerdings ein Problem: Lese ich nun zuerst, wie Logan, Maltes Freund aus der "Dich nicht zu lieben"-Reihe, seine Freundin Penny für sich gewonnen hat? Oder vergnüge ich mich mit Ethan und Gabriel aus „Tödliches Begehren - Mortal Desire: Gay Romance“, die eigentlich schon länger auf meiner Wunschliste stehen und über die Leseprobe am Ende dieses Buches gerade wieder nach vorne gerutscht sind?
Mmh. Schwierige Entscheidung ...


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Links zu der "Dich nicht zu lieben"-Reihe
"Amy & Jason"
- "Penny & Logan"
- "Malte & Fynn"
"Sue & Tyler"

Außerdem auf meiner Wunschliste: "Tödliches Begehren", die Story um den Reporter Ethan und den unheimlich heißen, aber in dunkle Machenschaften verstrickten Gabriel.


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Mittwoch, 30. März 2016

"Brutus, der Dorftrottel" von Kim Fielding

Der sanfte Riese

Brutus ist „anders“ und wird deswegen ausgegrenzt. Schon als Kind wurde er gehänselt und geschlagen. Das hat erst aufgehört, als er schließlich größer und stärker als alle anderen in seinem Dorf war. Besser behandelt wird er deshalb nicht und alle, einschließlich ihm selbst, halten ihn für dumm, gerade gut genug, um niedrige Knochenarbeit zu verrichten.
Als er – mehr durch Zufall – das Leben eines Prinzen rettet und dabei verletzt wird, fühlt der sich verantwortlich, holt ihn in den Palast und bietet ihm einen Job an. So findet sich Brutus als Wächter eines seltsamen Gefangenen wieder. Gray wird nackt und blind in einer kalten dunklen Zelle gefangen gehalten. Man hat ihn offensichtlich misshandelt und in schwere Eisenketten gelegt, ganz so, als würde man trotz seiner Behinderung jederzeit mit seiner Flucht rechnen. Ist er wirklich so gefährlich?

Brutus, der kaum jemals mehr hatte, als er zum schieren Überleben brauchte, genießt den bescheidenen Luxus, den seine neue Stellung mit sich bringt. Und er entdeckt plötzlich, dass er es nicht ertragen kann, wenn die Menschen um ihn herum leiden. Was hat Gray nur angestellt, dass man ihn so offensichtlich jeder menschlichen Würde berauben will? Es kann nicht nur daran liegen, dass er vom Tod anderer Menschen träumt, oder? Schließlich hilft das manchmal dabei, ein Leben zu retten …
Es dauert eine Weile, bis Brutus hinter ein Geheimnis kommt, das tief in der Vergangenheit begraben liegt und fast noch länger, einen Weg zu finden, der altes Unrecht beendet. Allerdings könnte es Brutus – und auch Gray – alles, einschließlich ihres Lebens kosten, diesem Pfad zu folgen. Ist die Freiheit das wirklich wert?

Brutus, der Dorftrottel“ ist das Bild, das ein Mann, der sich als überraschend sanft und schüchtern erweist, von sich selber hat, weil alle anderen ihn ständig so sehen. Brutus ist nicht einmal sein richtiger Name. Den lernt man, zusammen mit Gray, erst kennen, als Brutus schon einen weiten Weg zurückgelegt hat.

Kim Fielding hat ein Buch geschrieben, das überraschend ist. Unheimlich berührend. Total kitschig. Verboten romantisch. Es ist einfach wunderbar.

Die Sprache ist sehr einfach gehalten, aber genau das passt zu Brutus, dessen Stärke nicht in den Worten liegt und auch zu Gray, der am Anfang wegen seines Stotterns kaum in der Lage ist, sich auszudrücken. Es ist einfach wunderschön zu lesen, wie diese beiden geschundenen Seelen sich ganz langsam näher kommen. Während in anderen Büchern oft zuerst der Sex und dann die Liebe kommt, kann man hier als Leser miterleben, wie aus Pflichterfüllung langsam gegenseitiger Respekt, dann vorsichtige Freundschaft und schließlich mehr wird. Brutus, aber auch Gray, wissen zunächst kaum, das Sex und Liebe etwas miteinander zu tun haben können. Sie lernen das miteinander und manchmal kommt man sich fast wie ein Voyeur vor, wenn ihre scheue Annäherung beschrieben wird. Die vorsichtigen Zärtlichkeiten sind unheimlich berührend.

Kim Fielding verschweigt nicht, was zwischen den beiden Männern passiert, aber sie beschreibt es nicht mit expliziten Worten. Der Fokus liegt eindeutig auf den Gefühlen, die sich zwischen Brutus und Gray entwickeln.

Das Buch hat auch ganz klar eine zweite Ebene: Weder das Äußere eines Menschen, noch seine Abstammung zählen. Wichtig ist, was er aus sich macht, wenn er die Chance dazu erhält. Brutus könnte mit seinen Bärenkräften ein brutaler Unterdrücker sein, aber er folgt seinem sanften Herzen. Gray hat am eigenen Leib erlebt, wohin bitterer Stolz führen kann und dafür bezahlt. Weil die Charaktere und die Welt, in der die Geschichte spielt, detailreich und liebevoll geschildert sind, hat man nie das Gefühl, mit erhobenem Zeigefinger belehrt zu werden. Als Leser leidet und hofft man mit den beiden Männern darauf, dass sie ihr verdientes Glück finden.

Einfach ist das nicht! Das Buch wird bei aller Romantik mit jeder Seite spannender und man kann es kaum aus der Hand legen, bevor man weiß, ob Brutus (der sich schon lange bei seinem eigentlich Namen nennt, aber ich will nicht vorgreifen …) und Gray es schaffen, ihre Liebe zu bewahren und ihre Freiheit zu gewinnen. Brutus muss schließlich beweisen, wieviel Heldentum wirklich in einem sanften Riesen steckt …

Fazit: Ich liebe diese Geschichte. Sie ist etwas ganz Besonderes und ich habe sie ganz bestimmt nicht zum letzten Mal gelesen. Das hier ist romantische Fantasy vom Feinsten, erhält von mir mehr als 5 Punkte und eine Leseemepfehlung. Die Geschichte geht so richtig zu Herzen und lässt den Leser mit einem guten Gefühl zurück. Sanfte Riesen und blinde Zauberer vergisst man eben nicht so leicht wieder!

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Bildquelle: Dreamspinner

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Dienstag, 29. März 2016

"Ein Callboy kommt selten allein" von Ann Westphal

Kopfkino versus Realität

Bei Marc springt sofort das Kopfkino an, als er Sophie zum ersten Mal sieht. Leider ist er grade beruflich mit einer anderen Frau unterwegs und sie will mit Sicherheit nicht wissen, wozu er seine Fantasie benutzt …
Sophie hütet ihr Herz wie einen Schatz. Nach einer großen Enttäuschung glaubt sie nicht mehr wirklich an die Liebe und die Männer scheinen in ihr immer nur eine nette Affäre zu sehen. Wieso nur fühlt sie sich ausgerechnet von Marc angezogen, der in ihren Augen oberflächlicher nicht sein könnte. Seinen anrüchigen Nebenjob hat er anscheinend nur, weil er die Finger nicht von seinen teuren Hobbys lassen kann. Und von den Frauen. Zumindest dienstlich nicht …

Ein Callboy kommt selten allein“ ist – mal abgesehen von der eindeutig zweideutigen Anspielung – der zweite Teil der Callboy-Serie von Ann Westphal. Marc und Sophie lernt man schon im ersten Teil „Little ... einmal nur“ kennen und hier wird ihre Geschichte erzählt.
In der Realität scheint Marc ein Lebemann zu sein, der mehr Geld ausgibt, als er mit seinem regulären Job verdienen kann. Es wirkt schon fast berechnend, dass er als Callboy arbeitet, statt Affären zu haben. So genießt er gutes Essen, interessante Veranstaltungen und Sex in teuren Hotelzimmern. Statt dafür zu bezahlen, verdient er noch Geld damit.

Sophie ist, wenn auch ein wenig gezwungenermaßen, deutlich bescheidener. Sie hat einmal nach den Sternen gegriffen und ist tief gefallen. Daran hat sie immer noch zu knabbern, nicht nur finanziell. Ihr Verständnis für Extravaganzen ist mehr als begrenzt.

Erst ein Schicksalsschlag bringt Sophie und Marc näher zusammen und die beiden lernen sich nun unter völlig anderen Voraussetzungen neu kennen. Dieser Teil der Geschichte ist hauptsächlich aus Sophies Sicht erzählt, so dass man als Leser mit ihr zusammen nach und nach hinter Marcs Geheimnisse kommt.

Für mich hat – auch bedingt durch Marcs Unfall – der zweite Teil der Serie nicht ganz die wunderbare Leichtigkeit, den die anderen Bücher aufweisen. Marc und Sophie müssen sich mit einer gehörigen Portion Dramatik und mit einigen Missverständnissen herumschlagen, bevor sie – hoffentlich – ihr gemeinsames Glück finden. Dass die Geschichte ein wenig ernster ist, heißt aber nicht, dass sie schlechter ist. Man kann und will das Buch nicht aus der Hand legen, bevor man weiß ob und wie Sophie und Marc es schaffen, sich zusammenzuraufen.

Interessanterweise schafft es Ann Westphal, dass neben ihren sexy Helden auch immer sympathische Heldinnen stehen. Während ich beim Lesen der Serie sonst immer vergnügt den Noch- oder Ex-Callboy (und im letzten Teil den „Engel“) anschmachte, habe ich eine Weile gebraucht, um mit Marc warm zu werden. Sophie dagegen ist mir schon in den ersten Seiten ans Herz gewachsen und ich musste unbedingt wissen, ob Marc sie überhaupt „verdient“ hat.

Fazit: Gelungener zweiter Teil einer erstklassigen Serie! Marc und Sophie erhalten von mir solide 5 Punkte und eine Leseempfehlung, die übrigens für alle Teile der Callboy-Reihe gilt.

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 "Ein Callboy kommt selten allein"

Übersicht über die Reihe:
Band 1: "Little ... einmal nur" (Tom und Caro)
Band 2: "Ein Callboy kommt selten allein" (Marc und Sophie)

Band 3: 
"Leo – Auftragslover küsst man nicht" (Leo und Jo)
Band 4: "Callboy gesucht - Engel gefunden" (Gabriel und Mona alias M)

Bildquelle: amazon

# Die Rezension enthält Werbelinks.