Dienstag, 22. August 2017

"Liebe auf Bewährung (Das Recht auf Liebe 1)" von BA Tortuga

Tief im Süden …

… der USA liegt Texas. Die Menschen dort leben nach einen ganz eigenen Kodex.

Als Sage nach mehr als zehn Jahren zurückehrt, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Nicht nur für ihn selbst! Obwohl Sage eine sehr lange Zeit im Gefängnis war, hat in seiner Heimatstadt niemand vergessen, was ihn dort hingebracht hat. Und einige glauben, dass mit den Jahren im Knast seine Schuld nicht gesühnt ist …
Adam Winchester gehört nicht zu diesen Menschen. Der Polizist ist - zu Beginn fast widerwillig – bereit, Sage seine Chance zu geben und bemerkt zu seiner Überraschung, wie sehr er den stillen jungen Mann mag. Doch kann daraus mehr werden? Sage kämpft immer noch mit seinen Erinnerungen und Adams Familie läuft fast Amok bei dem Gedanken, dass er sich ausgerechnet mit diesem (!) Ex-Knacki trifft.

Ich muss gestehen, dass mich „Liebe auf Bewährung“ von BA Tortuga sofort gereizt hat und ich es nicht erwarten konnte, die Geschichte zu lesen. Nach den ersten Seiten war ich … zuerst ein wenig enttäuscht. Die Story fängt zwar spannend an, wird aber zu Beginn in weiten Teilen als „Dialog-Roman“ erzählt. (Ich habe keine Ahnung, ob es das Wort wirklich gibt. Ich meine damit Geschichten, in der die Handlung hauptsächlich über Gespräche vorangetrieben wird.) Das lässt meist nicht viel Raum für Atmosphäre und gibt auch nur wenig Einsicht die Emotionen der Protas. Schließlich sagt die Körpersprache viel mehr über die wahren Gefühle eines Menschen aus, als seine Worte. Ich persönlich mag diese Art, eine Geschichte zu erzählen, nicht wirklich.)

Doch dann … passiert in „Liebe auf Bewährung“ plötzlich etwas beinahe Magisches: Als hätte sich ein Knoten gelöst, erzählt BA Tortuga die Geschichte von Sage und Adam mit einem Mal unheimlich dicht und berührend. Der Funke zündet nicht nur zwischen den beiden, er springt auch mit aller Macht auf den Leser über. Natürlich reden die beiden (und alle anderen) immer noch häufig miteinander, aber man spürt auch mit jeder Seite mehr, was die beiden eben nicht aussprechen. Zum Beispiel kann und will Sage lange Zeit nichts über seine Zeit im Gefängnis sagen. Adam drängt ihn nicht, einerseits, weil er eigentlich gar nicht so genau wissen will, was genau passiert ist, anderseits, weil er glaubt, dass Sage darunter leidet, auch nur daran zu denken. Doch manche Dinge dürfen einfach nicht für immer unter dem Mantel des Schweigens verschwinden.

Neben den Geheimnissen der Vergangenheit lastet der Druck aktueller Probleme auf den Schultern der beiden Männer. Es geht unheimlich unter die Haut nicht nur zu lesen, sondern wirklich zu spüren, wie vor allem Sage mit sich kämpft. Er will das Beste für seine Familie und zweifelt daran, ob er überhaupt etwas zu geben hat. Eine Beziehung zu Adam ist für ihn wie ein ferner Traum, aus dem er eines Tages erwachen wird. Daran, Adam behalten zu dürfen, glaubt er nicht wirklich. Das Gefängnis ist nicht spurlos an Sage vorbeigegangen, sondern hat tiefe Wunden an Körper und Seele hinterlassen. Manche sind vernarbt, andere scheinen noch frisch wie am ersten Tag zu sein. Sage wünscht sich so wenig für sich selbst, dass es einem schon fast das Herz zerreißt, wenn seine bescheidenen Versuche ein „normales“ Leben zu leben, wieder einmal grausam boykottiert werden.

BA Tortuga präsentiert in „Liebe auf Bewährung“ einen sehr eigenwilligen Stil und eine ungewöhnliche Art, ihre Geschichte zu erzählen. Fast schon unmerklich wird die Atmosphäre von Kapitel zu Kapitel immer dichter und die Charaktere immer komplexer, bis man das Buch keine Sekunde mehr aus der Hand legen kann, bevor man weiß, ob und wie Sage und Adam eine Chance auf eine gemeinsame Zukunft haben. Manche der Szenen zwischen den beiden sind einfach nur zuckersüß und herzerwärmend, dafür gibt es andere, die so knallhart und realistisch sind, dass man sich unwillkürlich fragt, ob Sage und Adam nicht echte Männer mit einem realen Leben sind, an dem man hier eine Weile teilhaben darf.

Abgerundet wird die Story von Nebencharakteren, die Klischees sein könnten, wenn sie nicht ihre eigenen Ecken und Kanten hätten. Das fängt mit Sages „Momma“ an, geht mit den ortsansässigen Rockern weiter und hört mit Adams Onkel Jim, dem Polizeichef noch lange nicht auf. Tortuga hütet sich, über die Menschen, die sie beschreibt, zu urteilen. Das überlässt sie dem Leser selbst und einfach ist es nicht, weil die Personen so realistisch und komplex sind.

Mein Fazit: Nach einem nicht ganz so tollen Anfang wird „Liebe auf Bewährung“ von Seite zu Seite besser. Also: Auf jeden Fall Durchhalten, bis man ca. 20% gelesen hat. Ab da ist das Buch einfach klasse, erhält von mir mit Überzeugung mehr als 5 Punkte und eine begeisterte Leseempfehlung. 

Ich liebe dieses Buch wirklich! Und weil das so ist, habe ich gleich ... mit dem dritten Band der Serie angefangen, der eine ähnliche Thematik hat, aber bisher nur auf English vorliegt.
Die Rezi dazu folgt in den nächsten Tagen. Bis jetzt gefällt es mir mindestens so gut, wie die Story von Sage und Adam die übrigens auch ihre Gastauftritte haben.

Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von BA Tortuga kaufen: 

- „Liebe auf Bewährung (Das Recht auf Liebe 1)" (Sage & Adam)

Hier noch ein Überblick über im Original bereits vorliegenden Bände der Serie:

- "Catch and Release (The Release Book 3)" (Dakota & Jayden)


Neugierig geworden, aber noch nicht überzeugt?
Weitere Meinungen zu der Geschichte findet man hier:

Laberladen: *Rezension: Liebe auf Bewährung*
Sakura / Weld der Gedanken: *Rezension: Liebe auf Bewährung*


Bildquelle: Dreamspinner 

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