Dienstag, 6. Dezember 2016

"Zuflucht im Käfig" von Tempeste O’Riley

Danke, Sir …

Kade ist sehr erfolgreich in seinem Beruf, sein Privatleben dagegen ist mehr oder weniger gestorben, seit er nach einem brutalen Überfall im Rollstuhl sitzt. Selbst seine Freunde schaffen es nicht, ihn aus seinem Schneckenhaus zu ziehen. Was sie nicht wissen: Kade sucht und braucht keinen netten Freund, sondern einen richtigen Mann, der ihm beim Sex knallhart dominiert.

Als er Deacon kennenlernt, weiß Kade sofort, dass sie die gleichen Spiele mögen. Zu seiner Überraschung zeigt der Dom Interesse. Bei Kade halten sich Verlangen und Angst die Waage. Nun liegt es bei Deacon: Kann und will er Kade als seinen Sub akzeptieren? Und für wie lange?

Zuflucht im Käfig“ von Tempeste O’Riley ist … ehrlich gesagt wenig anders, als ich es bei einen BDSM-Roman erwartet habe. Hier geht es nicht in erster Linie darum, Lust und Schmerz zu vermischen oder Grenzen auszutesten, auch wenn einige Praktiken beschrieben werden. Kade und Deacon wissen im Grunde genau, was sie wollen und worauf sie stehen. Sie beide sind schon lange in der Szene aktiv, auch wenn Kade sie nach seinem Unfall gemieden hat. Die beiden werden sehr schnell miteinander intim, sie verlieben sich allerdings erst nach und nach und genau darum geht es in der Geschichte. Der Kern der Story sind nicht die Bondage- und SM-Szenen, oder das Vertrauen, dass man braucht, um sich völlig zu unterwerfen. Kade hat keinerlei Zweifel, Deacon seinen Körper anzuvertrauen. Sein Problem liegt woanders: Weil er kein Selbstvertrauen mehr hat, kann er sein Innerstes auch niemand anderem hingeben.

Die Idee und die Geschichte sind richtig interessant, allerdings hätte ich mir ein wenig mehr „Show-don’t-tell“ gewünscht. So wie sie geschrieben ist, kann man als Leser zwar verfolgen und auch nachvollziehen, was passiert. Man spürt Kades Empfindungen aber nicht so, als würde man sie selbst erleben, dazu bleibt man als Leser zu sehr auf Distanz.

Wunderschön geschildert ist allerdings, welche Mühe sich Deacon gibt, auf seinen Partner einzugehen. Hier wird wirklich deutlich, dass in gegenseitigem Einvernehmen und mit etwas Fantasie nahezu alles möglich ist.

Übrigens: Dies ist die höflichste und softeste BDSM-Story die ich je gelesen habe. Dom und Sub bedanken sich quasi ununterbrochen beieinander für alles Mögliche und es wird nach jeder Session ausgiebig gekuschelt. Ok. Wer fand, dass „Shades of Grey“ hart war, wird sich meiner Meinung vielleicht nicht anschließen, aber richtig dreckigen, verschwitzten Sex findet man in dieser Story allenfalls, wenn man das Kopfkino dazuschaltet.

Mein Fazit in Punkten auszudrücken, war hier nicht leicht. Ich wollte das Buch unbedingt lesen, habe aber nicht das gefunden, was ich erwartet habe. Trotzdem hat mir die Story als zuckersüße Romanze gefallen, in der halt hin und wieder ein Rohrstock zum Einsatz kommt und blaue Seile außerordentlich kunst- und fantasievoll genutzt werden.

Dafür gibt es von mir 4 Punkte und eine Leseempfehlung Die richtet sich allerdings eher an romantische Gemüter, als an Leute eine knallharte BDSM-Story suchen.


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Bildquelle: amazon

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