Samstag, 5. November 2016

"Pflanzliche Antibiotika richtig anwenden" von Anne Wanitschek und Sebastian Vigl

Solides Basiswissen, rasch umsetzbare Tipps!

Ich interessiere mich sehr für Kräuter- und Naturheilkunde und ich lese gerne. Also wandern in regelmäßigen Abständen Bücher zu diesem Themenkomplex in mein Regal, wo sie aber nicht verstauben, sondern immer wieder genutzt genutzt werden.

Bei „Pflanzliche Antibiotika richtig anwenden“ von Anne Wanitschek und Sebastian Vigl hat mich die ansprechende Aufmachung und die klare Gliederung zur Anschaffung des Buches animiert. Hilfreich sind kleine „Merker“ am Rand, die die Kernaussagen des Textes noch einmal kurz zusammenfassen und / oder als Gedankenstütze dienen können.

Den einzelnen Anwendungsgebieten vorausgestellt ist eine ausführliche Einführung zum Thema Bakterien und Viren, Antibiotika, Probiotika und der Vorbeuge von Infekten. Interessant ist die kurze Auseinandersetzung mit dem Nutzen, aber auch den Gefahren, die sich durch Fieber ergeben.

Die unterschiedlichen Krankheitsbilder sind leicht verständlich und gut erklärt. Man findet als Leser die passenden Gegenmittel sehr schnell, weil sie farblich abgehoben in Tabellenform dargestellt sind. Blau steht dabei für handelsübliche Präparate, die man in jeder Apotheke käuflich erwerben kann. Mich hat ein wenig erstaunt, dass hier ganz offen nicht die Wirkstoffe, sondern die Markennamen genannt werden. Das ist an sich nicht schlecht, weil es damit für einen Laien einfacher wird, das passende Medikament zu besorgen. Allerdings ist mir ein wenig sauer aufgestoßen, dass meist Alternativen zu den Marktführern fehlen, die oft durch eine leicht andere Zusammensetzung ihre Berechtigung haben und deshalb für manche Menschen bekömmlicher sind. Außerdem – auch wenn ich für die Aussage Prügel beziehen werde – gehören in meinen Augen homöophatische Mittel nicht in die Riege der pflanzlichen Antibiotika. Sie werden aber munter mit aufgelistet und dann nur bei der Wirkungsweise als solche gekennzeichnet.

In Gelb gehalten sind Rezepte für Tees, Umschläge oder sonstige „Heilmittel“, die man selbst aus Pflanzen selbst herstellen kann. Einige der Tipps stehen – ebenfalls gelb unterlegt – im Fließtext und werden als teilweise als „Naturheilkunde aus der Küche“ bezeichnet. Hier finde man gute Ratschläge, wie man mit einfachen Hausmitteln die Heilung bestimmter Krankheiten beschleunigen kann.

Einige wichtige Heilpflanzen werden in Porträts ausführlich vorgestellt. Dabei kommen nicht nur medizinische Anwendungen zum Tragen, auch Qualitäten in der Küche und sogar ein paar witzige Anekdoten über die Pflanzen werden erwähnt. Leider stolpert man beim ersten Durchblättern oder –lesen nur zufällig über die Porträts, weil ein Hinweis auf sie im Inhaltsverzeichnis fehlt.

Mein Fazit: Das Buch ist gut geschrieben und informativ. Den ersten Teil fand ich (bis auf eine ärgerliche Kleinigkeit) richtig klasse, weil er einen sachlichen und umfassenden Einblick in die Thematik der pflanzlichen Antibiotika gibt und ausführlich beschreibt, wie man Infektionen vorbeugen kann.

Der zweite Teil bietet bei leichten Infektionen eine rasche Hilfe, weil er sehr direkt auf handelsübliche Produkte verweist, die man in den meisten Apotheken und / oder Drogeriemärkten erhält. Für Leser, die viele Kräuter im eigenen Garten (oder auf der Fensterbank) anbauen und sich dem Thema der pflanzlichen Antibiotika von dieser Seite aus genähert haben, wird der Nutzen nicht ganz so groß sein.

Das Buch gefällt mir mit kleinen Einschränkungen und erhält deshalb solide 4 Punkte und eine Empfehlung für Neueinsteiger in die Thematik. Aber auch „Alte Hasen“ finden mit Sicherheit noch den ein oder anderen interessanten Tipp.


Haben wollen?
 Hier kann man das Buch von Anne Wanitschek und Sebastian Vigl kaufen:
- "Pflanzliche Antibiotika richtig anwenden"

Hier der Link zur Homepage der Autoren: *klick*


P.S.: Die ärgerliche Kleinigkeit am Anfang …
Ich habe mich schon auf Seite 13 beim Lesen das erste Mal so richtig geärgert. Wie so oft wird der Zusammenhang MRE und Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung hergestellt. Allerdings ist schlicht falsch, dass Antibiotika dem Futter „vorsorglich“ beigemischt werden dürfen. Das wird auch nicht wahr, wenn man es gebetsmühlenartig wiederholt. Tatsächlich sind Fütterungsantibiotika seit 2006 (!) in Europa komplett verboten. Der Einsatz von Antibiotika wird dokumentiert und überwacht. Alleine bei nachgewiesenen Erkrankungen darf bei Schweinen und Hühnern Antibiotika nach Anweisung eines Tierarztes über das Futter zur Therapie verabreicht werden. Bei Rindern ist dies grundsätzlich nicht erlaubt. Außerdem ist der Landwirt z.B. bei erkrankten Milchkühen dazu verpflichtet, Antibiogramme zu erstellen.

Bei menschlichen Kassenpatienten ist das ganz anders. Versuchen Sie mal, ihrem Hausarzt VOR der ersten Einnahme von Antibiotika, die man für jeden kleinen Husten oder Schnupfen hinterhergeworfen bekommt, ein Antibiogramm abzutrotzen …

Während Sie darauf warten, das der Arzt das anordnet, können Sie nach meiner Erfahrung in Ruhe dieses Buch (und noch zwei oder drei andere) lesen, restlos alle Tipps ausprobieren und dabei hoffentlich ganz ohne Antibiotika wieder fit werden …

Bildquelle: amazon

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